Wuwei-Theater Frankfurt

Theater in Mainhatten

Das Wuwei-Theater


Dem Wuwei-Theater in Frankfurt, welches von Angelika Sieburg und Andreas Wellano 1989 gegründet wurde, gelingt immer wieder ein einmaliges Kunsterlebnis durch das Experimentieren mit Formen des epischen Theaters sowie der Reibung mit performativem und postdramatischem Theater. In Anlehnung von Brechts epischem Theater werden gesellschaftskritische Themen gleich dem griechischen Vorbild durch wenige Darsteller erarbeitet. Dem Zuschauer bleibt durch die Reduzierung auf das Wesentliche Raum für eigene Gedanken, Phantasien und Rückschlüsse – so gelingt es, dass er aktiv an dem Stück mitarbeitet. Ebenso ist der Aufbau der Bühne stilvoll dezent gehalten und kann mit ein paar Wandbilder glänzen.

Dieser Maxime folgend bietet das Stück “Der Jazzdirigent” im Wowei einen interessanten und neuen Ansatz zur Beschäftigung mit dem Thema Nationalsozialismus. Diese unaufdringliche und leichte Inszenierung zum Thema “Gegen das Vergessen” wirft ein Licht auf Menschen die damals wegen ihrer Liebe zur Musik – hier der verbotene Jazz – in den inneren Widerstand gingen, durch die staatliche Restriktion aber auch oft in den äußeren gezwungen wurden. Was die Darsteller, allen voran Andreas Wellano, aus dieser Geschichte zu machen verstehen, ist gelebte Kultur in ihrer höchsten Ausprägung. Die biographisch angelehnte Geschichte wird bereichert durch Hinzufügungen mit Wärme und Lebendigkeit und bietet eine überraschend neue Perspektive auf die Montrösität und Brutalität des Naionalsozialismus.

Die Gegenwart auf die Bühne zu bringen für das Zielpublikum ab 16 gelingt dem Wuwei mit dem fiktiven Dokustück “Nordost”. Die Geiselnahme in Moskau von 2002 während einer Aufführung des Musicals Nordost endete in der Katastrophe mit dem Tod von 129 Menschen. Aus der unterschiedlichen Sicht von drei Frauen, die nicht unmittelbar involviert sind, werden verschiedene Perspektiven auf das Geschehen geworfen. Mit dichten Textenpassagen, die ineinanderverwoben zu sein scheinen, gelingt es dem Autor Torsten Buchsteiner verschiedene Realitäten, die trotzdem alle ihre Wahrhaftigkeit besitzen, auf der Bühne entstehen zu lassen.
Im September wird es dann zu einer Uraufführung des Stückes “Men@Work” kommen über dessen Inhalt noch nichts verraten wird.